Am 8. Juli wird die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) ihre nächste Sitzung abhalten, auf der voraussichtlich der Leitzins um 25 Basispunkte angehoben wird. An diesem Mittwoch tritt die RBNZ erneut zusammen, und eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte gilt weithin als ausgemacht. Dieses Basisszenario, das zugleich als das wahrscheinlichste angesehen wird, ist zum großen Teil bereits eingepreist. Daher richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit der Händler im Währungspaar NZD/USD auf die Rhetorik des RBNZ-Gouverneurs sowie auf die Formulierungen in der begleitenden Erklärung, die Aufschluss über die künftigen Absichten der Zentralbank geben sollen. Sollte die Zentralbank andeuten, dass der Juli-Schritt nicht der letzte sein wird, dürfte der neuseeländische Dollar am Markt insgesamt, einschließlich gegenüber dem Greenback, deutlichen Auftrieb erhalten. Am wahrscheinlichsten erscheint jedoch ein „dovish hike“ – also ein Zinsschritt, bei dem die Zentralbank die Zinsen zwar anhebt, jedoch keine Bereitschaft zu weiteren Straffungen der Geldpolitik signalisiert und an einer eher vorsichtigen Rhetorik festhält.

Es ist wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass die RBNZ auf der vorherigen Sitzung im Mai einen abwartenden Kurs eingeschlagen hat, auch wenn die Entscheidung nicht einstimmig war: Einige Ausschussmitglieder plädierten bereits damals für eine Straffung der Geldpolitik. Dennoch betonte die Zentralbank das hohe Maß an Unsicherheit und die Abhängigkeit künftiger Schritte von den eingehenden makroökonomischen Daten. Diese Linie dürfte beibehalten werden.
Wurde jedoch im Mai die Spaltung innerhalb des Committee vom Markt noch als Hinweis auf eine hohe Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung gewertet (was den neuseeländischen Dollar stützte), könnte eine ähnliche Situation nun den gegenteiligen Effekt haben. Nach dem nahezu unausweichlichen Zinsschritt im Juli wird die Schlüsselfrage nicht mehr die Tatsache der Straffung an sich sein, sondern vielmehr die Bereitschaft der Zentralbank, diesen Zyklus fortzusetzen. Sollte die Zentralbank keine weitere Zinserhöhung in Aussicht stellen, wird der Markt dies als „dovish“ interpretieren.
Mehrere fundamentale Faktoren stützen die vorsichtige Rhetorik der RBNZ. Einer der wichtigsten Punkte ist der Zustand der neuseeländischen Wirtschaft. Nach einer langen Phase der Stagnation zeigt die Konjunktur erst seit Kurzem Anzeichen einer Erholung. Diese Erholung bleibt jedoch äußerst fragil. So ist der Bausektor im ersten Quartal um 1,0 % geschrumpft.
Laut IWF ist das Wirtschaftswachstum mit einem weiteren negativen Faktor konfrontiert – der zunehmenden globalen Unsicherheit und einem jüngsten Anstieg der Energiepreise. Die Ökonomen des Fonds gehen davon aus, dass die Erholung langsamer verlaufen wird als zuvor erwartet und dass die wirtschaftliche Aktivität im zweiten Quartal erneut nachlassen dürfte.
Vor diesem Hintergrund ist es eher unwahrscheinlich, dass die RBNZ die Wirtschaft mit einer Serie aufeinanderfolgender Zinserhöhungen aggressiv unter Druck setzen will.
Ein weiterer Aspekt, der für Vorsicht spricht, ist die allmähliche Abschwächung des Arbeitsmarktes. Zwar bleibt die Arbeitslosigkeit (im historischen Vergleich) relativ niedrig, doch das Beschäftigungswachstum verlangsamt sich, und der Lohndruck nimmt spürbar ab. Zudem gehören die Lohnentwicklung und sekundäre Inflationseffekte zu den zentralen Indikatoren für die RBNZ. Sollten sich Anzeichen einer Abkühlung am Arbeitsmarkt verstetigen, wird die Notwendigkeit (und Umsetzbarkeit) weiterer Zinsanhebungen deutlich sinken.
Der Hauptgrund für die Zinserhöhung im Juli ist die Inflation, die weiterhin über dem Zielkorridor der Zentralbank liegt. Allerdings gibt es hierbei einige wesentliche „Aber“. Der Verbraucherpreisindex auf Jahresbasis lag im ersten Quartal bei 3,1 % und damit über der von der RBNZ angestrebten Spanne von 1–3 %. Nach den Prognosen der Zentralbank dürfte die Gesamtinflation im dritten Quartal infolge von Energieschocks auf rund 4,3 % anziehen, um anschließend schrittweise zurückzugehen und erst 2027 wieder in den Zielbereich zurückzukehren.
Gleichzeitig ist hervorzuheben, dass ein bedeutender Teil des aktuellen Inflationsdrucks auf externe Faktoren zurückzuführen ist – in erster Linie auf die gestiegenen Energiekosten – und weniger auf eine überhitzte Binnennachfrage. In der Folge könnte die RBNZ durchaus betonen, dass der derzeitige Inflationsschub weitgehend vorübergehender Natur ist, insbesondere vor dem Hintergrund der Deeskalation im Nahen Osten und der anschließenden Stabilisierung des Ölmarktes. Mit anderen Worten: Die Zentralbank könnte durchblicken lassen, dass die Inflationsrisiken allmählich nachlassen und damit der Bedarf an weiteren geldpolitischen Straffungen weniger offensichtlich wird.
Aus meiner Sicht ist die Wahrscheinlichkeit eines „dovish hike“ angesichts der aktuellen fundamentalen Konstellation durchaus hoch. Formal setzt die Zentralbank ihren Kampf gegen die Inflation fort; die begleitende Erklärung dürfte jedoch zurückhaltend formuliert sein. Der Ausschuss wird voraussichtlich davon absehen, eine weitere Zinserhöhung anzukündigen, wird auf den präventiven Charakter des Juli-Schritts hinweisen, Anzeichen einer Abkühlung der Binnennachfrage hervorheben und betonen, dass weitere Entscheidungen vollständig von der Entwicklung von Inflation, Lohndruck und Inflationserwartungen abhängen.
Mit anderen Worten: Der Markt dürfte kaum eindeutige Signale für eine vorab festgelegte Fortsetzung des Straffungszyklus erhalten. Infolgedessen wird der Zinsschritt im Juli (der bereits weitgehend eingepreist ist) dem neuseeländischen Dollar keine nennenswerte zusätzliche Unterstützung liefern.
Aus technischer Sicht bewegt sich das Währungspaar NZD/USD im Tageschart zwischen der mittleren und der unteren Linie der Bollinger Bands, unterhalb der Kumo-Wolke und der Kijun-sen-Linie, jedoch oberhalb der Tenkan-sen-Linie. Short-Positionen sollten erst in Erwägung gezogen werden, wenn die Verkäufer von NZD/USD die Tenkan-sen-Linie (0,5670) nach unten durchbrechen und sich unterhalb dieser Unterstützung etablieren. In diesem Fall würde der Ichimoku-Indikator ein bärisches „Parade of Lines“-Signal ausbilden und damit den Weg für die Bären zur nächsten Kursbarriere bei 0,5600 freimachen, die der unteren Bollinger Band auf dem D1-Zeitrahmen entspricht.