Die kommende Woche dürfte sich für EUR/USD als äußerst aktiv und volatil erweisen. Marktteilnehmer werden drei fundamentale Faktoren gegeneinander abwägen müssen: die geopolitische Entwicklung, Entscheidungen der Europäischen Zentralbank und wichtige makroökonomische Daten. Diese „Kern“-Themen werden den Ton für den Handel im Währungspaar EUR/USD vorgeben.
Geopolitik
Die Geopolitik wirkt weiterhin zugunsten des Dollars, da die Risikoaversion an den Märkten zunimmt. Es scheint, dass dieser fundamentale Faktor in den kommenden Tagen für EUR/USD-Händler in den Vordergrund rücken wird.

In den letzten zwei Tagen hat sich die Lage im Konflikt zwischen den USA und Iran deutlich zugespitzt und ist de facto in eine Phase umfassender (nicht nur lokaler) Konfrontation zurückgekehrt. Auslöser dieser neuen Eskalationswelle war der Tod von zwei US-Soldaten in Jordanien infolge iranischer Raketen- und Drohnenangriffe. Als Reaktion darauf haben die Vereinigten Staaten nun schon in der achten Nacht in Folge massive Luftangriffe geflogen und dabei militärische Infrastruktur, Brücken, Tunnel und andere Ziele im Iran attackiert.
Teheran wiederum hat offiziell die Aussetzung seiner Verpflichtungen aus einem friedlichen Memorandum of Understanding bekannt gegeben, woraufhin iranische Streitkräfte US-Militärstützpunkte in der Region angriffen. In Bahrain waren ebenfalls Luftschutzsirenen zu hören, während eine Entsalzungsanlage in Kuwait unter Beschuss iranischer Raketen geriet.
Zugleich tauschen beide Seiten weiterhin scharfe rhetorische Angriffe aus, was eine rasche Rückkehr zu einer diplomatischen Lösung praktisch ausschließt.
Dennoch ist es eher unwahrscheinlich, dass die Geopolitik einen nachhaltigen (dies ist das entscheidende Wort) Rückgang des EUR/USD-Paares auslöst. Gemessen an der Marktreaktion sehen Händler die aktuelle Eskalation weiterhin als Teil einer Strategie des „harten Feilschens“: Beide Seiten versuchen, ihre Verhandlungspositionen durch ein begrenztes Machtdemonstrationsszenario zu stärken und sich gleichzeitig die Option einer Rückkehr zu indirekten Verhandlungen offenzuhalten. Ein solches Szenario bleibt angesichts der fortschreitenden Ausweitung des Konflikts natürlich recht anfällig. Solange der Markt jedoch keine Anzeichen einer unkontrollierten Eskalation erkennt, hat EUR/USD weiterhin die Chance, innerhalb der 1,14er-Region zu verbleiben.
Sollten in der kommenden Woche zudem Signale über die Wiederaufnahme von Vermittlungskontakten auftauchen, dürfte die Risikoaversion deutlich (und recht abrupt) nachlassen, sodass Käufer erneut den Widerstandsbereich bei 1,1470 testen könnten (obere Linie der Bollinger-Bänder, die mit der Kijun-sen-Linie im D1-Chart zusammenfällt). Angesichts von Donald Trumps Vorgeschichte abrupter Kurswechsel in vergleichbaren Situationen lässt sich ein solches Ergebnis nicht ausschließen.
Europäische Zentralbank
Am Donnerstag, dem 23. Juli, hält die EZB ihre nächste Sitzung ab, die eine erhöhte Volatilität im EUR/USD-Paar auslösen könnte. Es kann mit hinreichender Sicherheit angenommen werden, dass die Notenbank alle drei Leitzinsen unverändert belassen und damit das Basis- und zugleich am meisten erwartete Szenario umsetzen wird. Daher wird sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer vor allem auf den Tonfall der begleitenden Erklärung und die Kommentare von Christine Lagarde richten.
Auf der einen Seite sprechen mehrere Faktoren für die Beibehaltung des Status quo. Die Inflation im Euroraum verlangsamt sich weiterhin schrittweise, der zugrunde liegende Preisdruck bleibt relativ stabil, und das Wirtschaftswachstum wirkt nach wie vor recht schwach. Zudem reagiert die EZB in der Regel nicht auf kurzfristige Preissprünge an den Rohstoffmärkten (wie wir sie derzeit beobachten), sondern bevorzugt es, die Wahrscheinlichkeit sogenannter sekundärer Inflationseffekte zu beurteilen.
Auf der anderen Seite haben die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten die Lage deutlich verkompliziert. Die neue Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran hat einen kräftigen Ölpreisanstieg ausgelöst und das Risiko einer beschleunigten Inflation im Euroraum weiter erhöht. Daher ist es wahrscheinlich, dass die EZB auf die gestiegene Unsicherheit hinweisen und betonen wird, dass sie die Auswirkungen des Energieschocks auf Inflationserwartungen und Lohndynamik in naher Zukunft genau beobachten wird.
All dies spricht dafür, dass das wahrscheinlichste Szenario für die Juli-Sitzung eine „hawkish pause“ ist. Mit anderen Worten: Die EZB lässt die Zinsen unverändert, doch Lagarde dürfte sich eher restriktiv äußern und dem Markt kein Signal für ein absehbares Ende des Straffungszyklus geben. In diesem Zusammenhang wird die Notenbankchefin mit Sicherheit hervorheben, dass weitere Entscheidungen vollständig von den hereinkommenden Makrodaten und der geopolitischen Entwicklung abhängen werden.
Mit anderen Worten: Die Ergebnisse der Juli-Sitzung der EZB könnten dem Euro Unterstützung bieten; das Aufwärtspotenzial der Einheitswährung dürfte jedoch begrenzt bleiben, sofern die Nachfrage nach dem US-Dollar als sicherem Hafen am Markt anhält. In diesem Fall ist es für die Käufer von EUR/USD eher unwahrscheinlich, dass sie den genannten Widerstand bei 1,1470 nachhaltig überwinden.
Makroökonomische Daten
Unter den makroökonomischen Veröffentlichungen der kommenden Woche werden die wichtigsten für EUR/USD die PMI-Indizes (24. Juli) und der ZEW-Bericht (21. Juli) sein, die Rückschlüsse auf den aktuellen Zustand der Eurozonen-Wirtschaft sowie auf die Stimmung von Unternehmen und Investoren zulassen.
Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen ist im Juni überraschend auf 10,5 Punkte gestiegen (nach einem starken Rückgang auf -10,5 Punkte) und damit erstmals seit Februar dieses Jahres wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Investoren allmählich eine schrittweise Erholung der deutschen Wirtschaft einpreisen – vor dem Hintergrund von Erwartungen an fiskalische Stimuli und einer abnehmenden politischen Unsicherheit. Der Juli-Bericht wird jedoch in einem schwierigeren externen Umfeld veröffentlicht. Einerseits könnten der Start staatlicher Investitionsprogramme in Deutschland diese Erwartungen stützen. Andererseits könnten schwache Produktionszahlen, hohe Energiekosten und eine neue Welle der Unsicherheit aufgrund des Nahostkonflikts darauf lasten.
Dennoch gehen die meisten Analysten davon aus, dass Investoren im Juli an ihrem Optimismus festhalten werden: Der Index der Wirtschaftszuversicht in Deutschland dürfte erneut steigen – diesmal auf 18 Punkte.
Beim PMI liegt der Fokus vor allem auf den deutschen und den Eurozonen-Indikatoren. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland dürfte im Expansionsbereich verbleiben und auf 50,6 anziehen (von 50,3). Der deutsche Services-PMI wird ebenfalls etwas höher erwartet, bei 49,0 (nach einem Anstieg auf 48,6 im Juni). Sollte dieser Wert entgegen den Prognosen in den Expansionsbereich vorstoßen, wäre dies eine deutliche Unterstützung für den Euro. Eine ähnliche Entwicklung wird für die PMI-Indizes der Eurozone erwartet: Für das Verarbeitende Gewerbe wird ein Anstieg auf 51,6 prognostiziert, während der Dienstleistungssektor voraussichtlich 49,8 erreichen dürfte.
Technische Übersicht
Aus technischer Sicht bewegt sich das EUR/USD-Paar im Vier-Stunden-Chart zwischen der mittleren und der unteren Linie der Bollinger-Bänder, oberhalb der Kumo-Wolke und zwischen den Linien Tenkan-sen und Kijun-sen. Im Tageschart liegt das Paar zwischen der mittleren und der oberen Linie der Bollinger-Bänder, unterhalb der Kumo-Wolke und ebenfalls zwischen Tenkan-sen und Kijun-sen. All dies signalisiert anhaltende Unsicherheit: Kurzfristige Indikatoren liefern keine eindeutigen Signale, und auch in den höheren Zeitrahmen zeichnet sich kein klarer Vorteil für eine Seite ab. Unter solchen Bedingungen dürfte das Paar weiter in einer Spanne von 1,1380–1,1470 konsolidieren und auf neue fundamentale Impulse warten.