Die am Mittwoch in den USA veröffentlichten makroökonomischen Daten waren widersprüchlich, aber aufschlussreich. Die zweite Schätzung des BIP für das zweite Quartal bestätigte eine Abkühlung des Wirtschaftswachstums, während der Kern-PCE-Index für Juli anhaltenden Inflationsdruck signalisierte. Mit anderen Worten: Die Konjunktur verliert an Dynamik, doch die Inflation bleibt zu hoch, um einen Kurswechsel hin zu einer lockereren Geldpolitik zu rechtfertigen.

Beginnen wir mit dem BIP: Laut der zweiten Schätzung des BEA wuchs die US-Wirtschaft im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 1,5 %. Diese Zahl entsprach exakt sowohl der vorläufigen Schätzung als auch den Markterwartungen. Im ersten Quartal lag das Wachstum bei 2,1 %, was darauf hinweist, dass sich die US-Wirtschaft abschwächt.
Die Struktur des Berichts wirkt jedoch etwas solider, als es die Überschrift vermuten lässt. Die wichtigsten Wachstumstreiber waren die Konsumausgaben, die Investitionen und die Exporte, während die Staatsausgaben einen negativen Beitrag leisteten. Wichtig ist, dass das reale Volumen der finalen Verkäufe an private inländische Abnehmer um 3,9 % zulegte, nach 1,7 % im ersten Quartal. Mit anderen Worten: Hinter einer vergleichsweise schwachen Überschrift verbirgt sich eine recht robuste Binnennachfrage.
Aus diesem Grund kann der Bericht vom Mittwoch nicht ohne Weiteres als klar negativ für den Dollar eingestuft werden. Ja, die Gesamtwachstumsrate ist alles andere als beeindruckend, aber der amerikanische Konsument und der private Sektor zeigen bislang keine Anzeichen einer ernsthaften Abkühlung. Dies ist ein entscheidender Punkt im Kontext der künftigen Geldpolitik der Federal Reserve, denn eine bloße Abschwächung des BIP reicht nicht aus, um Zinssenkungen zu rechtfertigen, sofern die Binnennachfrage weiterhin kräftig wächst.
Es ist außerdem zu beachten, dass die Importe im zweiten Quartal deutlich gestiegen sind, wobei ein erheblicher Teil dieses Zuwachses auf Investitionsgüter entfiel – Telekommunikationsausrüstung, Halbleiter und Industriegüter. Da Importe im BIP abgezogen werden, verschlechtert dieser Faktor die endgültige Schätzung rein rechnerisch (ohne auf eine Schwächung der Binnenwirtschaft hinzuweisen).
Zudem liefert die Inflationskomponente des BIP keine Grundlage für „dovishe“ Schlussfolgerungen. Konkret beschleunigte sich der Preisindex für inländische Bruttoausgaben im zweiten Quartal auf 5,7 % im Jahresvergleich (nach 3,6 % im Vorquartal). Der quartalsweise PCE stieg um 5,1 %, und der Kern-PCE legte um 3,4 % zu. Letzterer Wert hat sich zwar von 4,4 % abgeschwächt, liegt aber weiterhin deutlich über dem 2 %-Ziel der Fed.
Mit anderen Worten: Die US-Wirtschaft verliert zwar an Dynamik, doch handelt es sich eher um eine allmähliche Abschwächung als um eine abrupte Abkühlung. Die Verbraucher bleiben widerstandsfähig, die Binnennachfrage beschleunigt sich, und die Investitionen (insbesondere im Technologiesektor und im Bereich KI) stützen die wirtschaftliche Aktivität weiterhin. Diese Kombination erlaubt es der Notenbank, eine abwartende Haltung einzunehmen.
Das fundamentale Bild wurde zudem durch die Veröffentlichung des Kern-PCE-Index für Juli ergänzt. Der Kernindex der persönlichen Konsumausgaben, der Nahrungsmittel und Energie ausklammert, stieg im Monatsvergleich um 0,2 % nach 0,1 % im Juni. Im Jahresvergleich blieb dieser Wert mit 3,3 % auf dem Niveau des Vormonats. Somit gab es keinen weiteren Fortschritt bei der Verlangsamung der Inflation. Unterdessen verharrte der Gesamt-PCE ebenfalls auf dem Juni-Niveau von 3,7 %, entgegen den Erwartungen eines Rückgangs auf 3,6 %. Im Monatsvergleich legte dieser Indikator um 0,2 % zu, bei einer Prognose von 0,1 %.
All dies deutet darauf hin, dass sich die Inflation im Juli zwar nicht beschleunigt hat, es aber auch keine weitere Abschwächung gab. Der Gesamt-PCE liegt weiterhin deutlich über dem Zielwert der Fed, und der Kernwert übertrifft ihn noch stärker. Gleichzeitig stiegen die persönlichen Einkommen um 0,4 %, während die verfügbaren Einkommen um 0,5 % zulegten. Das zeigt, dass der amerikanische Verbraucher finanziell stabil bleibt.
In der Folge hat sich für den Greenback ein recht widersprüchliches fundamentales Bild herausgebildet. Die BIP-Überschrift signalisiert eine Abschwächung der Konjunktur, doch die starke Binnennachfrage begrenzt den Spielraum für eine lockerere Rhetorik der Fed. Der Kern-PCE-Index wiederum bestätigt die Hartnäckigkeit der Inflation und hindert die Marktteilnehmer daran, auf eine rasche Zinssenkung zu setzen.
Als Reaktion auf die Veröffentlichung fiel das Währungspaar EUR/USD um 40 Pips, blieb jedoch innerhalb der 1,16er Marke. Eine derart verhaltene Reaktion erklärt sich aus den Widersprüchen in der aktuellen Lage. Die US-Wirtschaft verlangsamt sich zwar, doch ist es verfrüht, von einer starken Abkühlung zu sprechen. Die Inflation zeigt keine erneute Beschleunigung, bleibt aber zu hoch, um eine geldpolitische Lockerung zu rechtfertigen. Die Schlüsselfrage ist nun, ob der Juli-PCE nur eine temporäre Pause im Disinflationsprozess darstellt oder bereits das erste Signal einer erneuten Beschleunigung.
Sollte sich der Markt davon überzeugen, dass die wirtschaftliche Aktivität weiter nachlassen und die Inflation wieder zu sinken beginnen wird, dürften die Argumente für eine Zinssenkung der Fed an Gewicht gewinnen. Sollte sich hingegen herausstellen, dass der Juli-PCE keine vorübergehende Unterbrechung, sondern das erste Anzeichen eines erneuten Inflationsdrucks ist, würde sich der Spielraum für geldpolitische Lockerungen deutlich verengen. Beide Szenarien bleiben offen, was die vorsichtige Reaktion des Dollars erklärt.
Am wahrscheinlichsten ist, dass das Paar innerhalb einer Spanne von 1,1640–1,1700 seitwärts handeln wird. Das Eröffnen von Long-Positionen erscheint erst dann sinnvoll, wenn bestätigt ist, dass die Käufer das Paar über der unteren Begrenzung der Spanne halten konnten – der Unterstützungszone bei 1,1640 (untere Linie der Bollinger Bänder im Vier-Stunden-Chart).