Zählen Sie Ihre Hühner nicht, bevor sie geschlüpft sind. Der Markt war den ganzen Monat über überzeugt, den weiteren Weg des Yen zu kennen, und trieb USD/JPY in Richtung der Marke von 160. Doch die ersten Hinweise im Vorfeld der September-Sitzung der Bank of Japan auf eine möglichere, stärkere Zinserhöhung erschütterten dieses Vertrauen. Die Währung machte innerhalb von nur zwei Tagen fast sämtliche Verluste aus dem August wieder wett, und Händler beeilten sich, Short-Positionen zu schließen – aus Sorge sowohl vor einer geldpolitischen Straffung als auch einer Rückkehr offizieller Interventionen.
Die Dynamik und Struktur des GPIF-Portfolios

Die Stimmungswende fiel mit einer unerwarteten Entwicklung zusammen: Das Lenkungsgremium des weltgrößten Pensionsfonds, GPIF, mit einem Vermögen von 2 Billionen US-Dollar, trat erstmals seit sieben Jahren zu einer außerplanmäßigen Sommer-Sitzung zusammen. Formal ging es auf der Tagesordnung um die Asset Allocation, obwohl das Gremium im März entschieden hatte, dass keine Überprüfung erforderlich sei. Der Markt vermutete umgehend, dass der Fonds den Zielanteil inländischer Anleihen in seinem Portfolio von 318 Billionen ¥ erhöhen könnte. Premierministerin Sanae Takaichi und Finanzministerin Satsuki Katayama drängen seit Langem darauf, dass Pensionskapital ins Inland zurückkehrt.
Der Yen erhielt zudem einen direkteren Grund für Optimismus. Das Mitglied des Direktoriums der Bank of Japan, Hajime Takata, erklärte, ein Zinsschritt um 25 Basispunkte sei „nicht in Stein gemeißelt“ und schloss einen größeren Schritt nicht aus. Yen-Käufe könnten durch Spekulationen auf eine überproportionale Anhebung verstärkt worden sein, merkt Mizuho Bank an. Der Terminmarkt preist nun vollständig eine Zinserhöhung im September ein und schiebt die Erwartungen in Richtung einer Fortsetzung des Zyklus im Dezember.
Doch hinter der BOJ steht eine weitaus weniger subtile Stimme. Der US-Finanzminister Scott Bessent hat den öffentlichen Druck auf Tokio erhöht und entschiedenere Maßnahmen eingefordert. Die kaum verhüllten Appelle aus Washington haben die September-Sitzung in ein Spiel mit hohen Einsätzen verwandelt: Jegliches Zögern der Zentralbank würde den Markt nicht nur überraschen – es würde den Yen ins Rutschen bringen.
JP Morgan Securities meint, dass es der BOJ nach all den klaren Worten aus Washington schwerfallen würde, nicht zu reagieren. Sollte die Zentralbank jedoch den Eindruck erwecken, sie könne die Zinsen nur mit externem Rückenwind anheben, würde die Wirksamkeit ihrer eigenen Politik infrage gestellt.
Bewegung von USD/JPY und Währungsinterventionen

Der Preis für eine solche Abhängigkeit ist bereits bekannt. Im vergangenen Monat hat Japan rekordhohe 96,4 Milliarden US-Dollar für die Verteidigung seiner Währung ausgegeben, und die Unterstützung der USA hat die Warnung an Spekulanten, die gegen den Yen wetten, nur noch unterstrichen. Manulife Investment Management erklärt, der Markt habe ein Signal erhalten, dass die Behörden einen stärkeren Yen anstreben.

Doch der Druck von außen ist ein schlechter Ersatz für innenpolitische Entschlossenheit. Wird die Bank of Japan am 18. September aus eigener Initiative handeln können, oder wird sie erneut einen Anstoß aus dem Ausland benötigen?
Technisch betrachtet ist USD/JPY im Tageschart zu dem im August verzeichneten Tief zurückgekehrt, womit das Risiko einer erneuten Korrektur in Richtung des langfristigen Aufwärtstrends besteht. Solange der Dollar unter £156,6 gehandelt wird, bleibt die Tendenz zum Verkauf bestehen.