Der Euro hat die Woche mit einer festen Tendenz begonnen. Nachdem EUR/USD am Freitag ein Tief in der Nähe von 1,1155 markiert hatte, gewann das Währungspaar am Morgen an Schwung, stieg in der ersten Tageshälfte über 1,1235 und verlor anschließend wieder etwas Dynamik, sodass es auf 1,1217 zurückfiel. Der wichtigste Auslöser waren die am Vormittag veröffentlichten Konjunkturdaten zum verarbeitenden Gewerbe in der Eurozone, woraufhin der Markt den Euro fast unmittelbar nach der Veröffentlichung der Zahlen zu kaufen begann.
Bei den Daten handelte es sich um den Manufacturing PMI der Eurozone für Oktober. Dabei werden Einkaufsmanager in Industrieunternehmen befragt; ein Wert über 50 signalisiert eine Ausweitung der industriellen Aktivität, ein Wert unter 50 hingegen eine Abschwächung. Der Index lag bei 52,7 nach 52,9 im Vormonat und damit leicht niedriger. Volkswirte hatten jedoch mit einem noch schwächeren Wert gerechnet, sodass der Markt den Bericht eher als positive Überraschung denn als schlechte Nachricht wertete. Zudem liegt der Index nun den neunten Monat in Folge über der 50er-Marke, während der Septemberwert das höchste Niveau seit Mai 2022 markierte. Für die EZB könnten die einzelnen Komponenten des Index wichtiger sein als der Gesamtwert, insbesondere die Frage, ob die Bezugskosten der Hersteller weiter steigen.
Die Lage innerhalb der Eurozone bleibt uneinheitlich. Deutschland konnte seinen Manufacturing PMI bei 54,2 halten, während Italien mit einem Wert von 49,4 enttäuschte, der sowohl unter der Prognose von 49,9 als auch unter der wichtigen Schwelle von 50 lag. Zudem kamen schwache Nachrichten vom deutschen Einzelhandel. Die deutschen Einzelhandelsumsätze sind im September um 2,0 % gesunken, während Analysten mit einem Anstieg von 0,4 % gerechnet hatten. Dieser Indikator misst das Volumen der in Geschäften gekauften Waren; der deutliche Rückgang legt nahe, dass die Verbraucher in der größten Volkswirtschaft der Region ihre Ausgaben merklich zurückfahren. Mit anderen Worten: Die Industrie hält sich relativ gut, während die Konsumnachfrage nachlässt. Vor diesem gemischten Konjunkturhintergrund wirkt der Anstieg des Euro nicht besonders solide, und die morgendliche Korrektur vom Tageshoch ist nachvollziehbar.
Blicken wir nun auf die für die zweite Tageshälfte anstehenden Ereignisse. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel wird eine Rede halten. Die Bundesbank ist eines der Institute, die am Zinsentscheidungsprozess der EZB beteiligt sind. Besonders aufmerksam verfolgt werden dürfte seine Einschätzung des Gegensatzes zwischen einer robusteren Industrieaktivität und schwachen Einzelhandelsumsätzen, denn sein Tonfall könnte beeinflussen, wie zuversichtlich der Markt in die Fortsetzung des Wirtschaftswachstums im Euroraum ist.
Das Hauptereignis des Tages bleiben jedoch die US-Konjunkturdaten. Für den ISM Manufacturing PMI für Oktober wird ein Wert von 54,7 erwartet, nach 54,5 im September. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Umfrage unter Einkaufsmanagern, allerdings in US-Unternehmen. Der Markt schenkt ihr große Beachtung, weil sie einen frühen Hinweis auf die Lage des US-Verarbeitungssektors vor den offiziellen Berichten liefert. Besonders im Fokus steht die Preis-Komponente, die anzeigt, wie schnell die Bezugskosten der Hersteller steigen. Prognostiziert wird 77,2 nach 77,9 im Vormonat. Ein hoher Wert würde die Erwartung untermauern, dass das Federal Reserve System mit Zinssenkungen keine Eile haben wird.
Das Bild wird durch die Daten zu den US-Bauausgaben im September ergänzt. Es wird ein Anstieg um 0,3 % erwartet, nach einem Plus von 0,9 %. Dieser Indikator reagiert empfindlich auf Hypothekenzinsen; eine deutliche Verlangsamung würde zeigen, wie stark die hohen Finanzierungskosten auf der Konjunktur lasten. Starke US-Daten würden den Dollar stützen und EUR/USD nach unten drücken, während schwache Zahlen dem Euro die Chance geben würden, zu seinen Tageshochs zurückzukehren. Das Basisszenario bleibt eine Abwärtsbewegung, da die Korrektur vom Hoch bereits eingesetzt hat.
Momentum
Für den Euro liegt der entscheidende Widerstand bei 1,1231. Gelingt eine nachhaltige Bewegung darüber, ist ein Anstieg in Richtung 1,1254 möglich, gefolgt von 1,1298. Das Währungspaar ist im Vormittagshandel bereits über dieses Niveau gestiegen, schaffte es jedoch nicht bis 1,1245, bevor es wieder zurücklief. Entsprechend sollte ein erneuter Ausbruch nicht schon beim ersten Test als gültig betrachtet werden, sondern erst dann, wenn sich der Kurs oberhalb der Marke behauptet.
Die Marke für einen Abwärtsausbruch liegt bei 1,1200. Fällt der Kurs deutlich darunter, liegen die Ziele bei 1,1172 und 1,1138. Diese Richtung wird bevorzugt, da sich das Paar aktuell auf diese Schwelle zubewegt und starke US-Daten den Rückgang beschleunigen könnten. Der Abstand zwischen dem aktuellen Kurs von 1,1217 und 1,1200 ist gering, weshalb besonders unerfahrene Trader abwarten sollten, bis sich der Kurs klar unterhalb dieses Niveaus etabliert, statt nur eine bloße Berührung der Marke zu handeln.
Mean Reversion

Für den Euro liegt das obere Referenzniveau für eine mögliche Umkehr bei 1,1245. Es befindet sich zwischen dem Ausbruchsniveau von 1,1231 und dem ersten Kursziel von 1,1254, nur neun Punkte unterhalb des letzteren, was diesen Bereich besonders anfällig für Fehlsignale macht.
Steigt der Kurs bis 1,1245, kann sich dort aber nicht behaupten und fällt rasch wieder darunter zurück, können sich Verkaufsmöglichkeiten ergeben. Steigt das Währungspaar hingegen klar und nachhaltig über 1,1254, würde dies einen bestätigten Ausbruch darstellen, gegen den man nicht handeln sollte. In diesem Fall sollte der Stop-Loss oberhalb von 1,1254 platziert werden.
Das untere Referenzniveau liegt bei 1,1195, unmittelbar unterhalb des Ausbruchsniveaus von 1,1200, nur fünf Punkte davon entfernt. Dieser Bereich erfordert besondere Vorsicht. Ein einzelner Test reicht nicht aus, um zu entscheiden, ob es sich um einen echten Ausbruch oder um einen Fehlausbruch handelt. Erreicht das Währungspaar 1,1195 und kehrt rasch wieder über 1,1200 zurück, setzt sich das Mean-Reversion-Szenario durch, und Kaufgelegenheiten können in Betracht gezogen werden. Konsolidiert der Kurs jedoch unterhalb von 1,1200 und fällt weiter in Richtung 1,1172, sollten Käufe vermieden werden, und ein Stop-Loss ist sinnvollerweise jenseits dieses Kursziels zu platzieren.
Die erste Reaktion in diesem Bereich sollte am besten gemieden werden, bis die Marktrichtung klarer ist – zumal US-Konjunkturdaten abrupte Kursbewegungen auslösen könnten.